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Wer traut sich, eine Aussage über die Qualität von Wein zu machen?

von Andrew Holloway März 17, 2026 2 min lesen.

Ein Blick auf einen Fluß mit Weinbergen in Vordergrund.

Es ist eine unvermeidbare Muße im Leben eines Weinhändlers gutes von schlechtem zu trennen. Natürlich zunächst im Wein selbst, aber zu allererst in der Semantik.

Abschweifung:
Ich habe gut fünfzehn Jahre lang mit einem erfahrenen Wein-Kollegen zusammengearbeitet. Jürgen Prehm. Er hat mich regelmäßig auf die Palme gebracht. Wir veranstalteten öffentliche Weinverkostungen für weininteressierte Laien.

Wir boten Orientierungsmerkmale in der Topologie und Typologie des Weines an. Was es gibt und wie es heißt. Aber sie alle wollten eine ganz bestimmte Tugend erwerben. Woran erkenne ich einen guten Wein? Zu meinem Verdruss fing Prehm genau immer diese Frage gerne ab. Als er antwortete, sah er mir direkt in die Augen und sagte dabei Folgendes: "Ich kann nicht sagen, was gut oder schlecht ist, aber ich weiß, was ich mag."

Ich könnte schreien. Denn wir "rotweissler" folgen dem Ansatz, der besagt, dass Qualität nur objektiv gemessen werden kann. 

Qualität - ein viel missbrauchter Begriff. Keiner weiß was es ist, aber in einem sind wir uns sicher: beim Wein ist es nicht subjektiv. Lass es uns lieber Güte nennen. 

Qualität innerhalb des Herstellungsprozesses ist die Jagd auf Abweichungen von einem Standard. Je weniger Abweichungen desto höher die Qualität. Wir Weinhändler sollten alle die sensorische Fähigkeit haben Weinfehler zu erfassen. Versäumen wir diese Aufgabe so leidet unsere Qualität.

Scheiß-Job, aber irgendjemand muss es tun. Wir bilden uns fort und passen auf die Qualität auf.

“Quality is relative”, hört man. Damit ist gemeint, daß durch das Vergleichen von Ähnlichem ein Standard oder eine Einstufung möglich sei.

Nimm zum Beispiel Rioja. Es gibt Rioja für 3,99 und für 30,00. Was wird von einem Rioja für 3,99 erwartet? Wenn der Wein immer frisch vermarktet wird, keinen Korkfehler hat, keine Transport- oder Lagerschäden erlitten hat, kann von einer gewissen Qualität gesprochen werden. Womit wir wieder bei den Fehlern wären. Einer der wichtigsten technischen Fortschritte, die die Qualität vorantreiben, ist die Integration von Laborkontrollen in den Abfüllprozessen. Das Labor ist eine Wand von der Abfüllanlage entfernt. Während des gesamten Abfüllprozesses werden Proben gezogen. Die Proben laufen durch einen Analysescanner. Werden die Prüfparameter (vor allem Sauerstoff) überschritten stoppt die Abfüllanlage. Und somit wird die ganze Sache technisch und unverklärt. Jippie!

Wollen wir mehr Leistung, steigen wir in eine andere Preislage. Liegen keine schwerwiegenden Fehler vor, weil der Weinhändler aufgepasst hat, kann mit einer Progression im Preis zur Leistung gerechnet werden.

More money, more funny. Warum ist das Ganze wichtig, wenn die Welt eh kaputt ist, alle sterben müssen und selbst Mutti geht? Es ist die Aufgabenstellung für unseren Weinhandel.

Weil die Supermärkte lieblos steril gefilterte und somit relativ wenige Herstellungsfehler behaftete Weine bis 4,99 anbieteten, sorgen wir dafür daß sich unsere Weine für € 6,99 sausexy und supergeil abheben.Unsere Weine für € 8,95 schmecken wie € 15,00. Es wäre schön, wenn wir behaupten könnten, daß die Progression anhält und unsere Weine für € 30,00 wie € 45,00 schmecken. Aber das wäre Unsinn. Irgendwann bei 12,00 € renkt sich die Qualität ein (wie beim Chiropraktiker) und wird konstant.

Der Wein im Weinfachhandel - also alle unsere Weine - müssen “best of class” sein. Nur mit einer objektiven Betrachtung von Güte und Qualität kann das erreicht werden.

Ka-ching! und Pa-löpp!