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weingut roterfaden

von Andrew Holloway August 06, 2021 2 Lesezeit min.

Eine Enzschleife im Winter - in schwarz/weiss.

rotweiss über weingut roterfaden

Wir reisen zu den Winzern, aber nicht ohne Werkzeuge. Wir haben Dialektik drauf. Biobibel im Gepäck. Manche arbeiten genau wie vor 35 Jahren und wollen sogar uns daraus eine Tugend machen. "Schau hier meine Presse. Aus den siebziger Jahren. Gepflegt und gehegt. Warum immer neues kaufen wenn das Alte noch funktioniert? Auch das ist Ökologie!" sagt er. "Ja, Mann. Aber,", sagen wir und holen Bier, "wenn Du eine neue kaufst, eine geschlossene, brauchst Du weniger Schwefel. Kurbel mal den deutsche Maschinenbau an." Heute will uns aber keiner hören. Wir lassen ein paar derbe Ökokriegersprüche fallen und ziehen uns vom Acker.

Wenn man ungefähr fünf Kilometer von Rößwag erntfernt ist, sieht es aus, als ob man auf eine Wand zusteuern würde. Kommt man näher, entsteht der Eindruck, eine Welle wurde auf einem zurollen. Eine Monsterwelle. Auf See würde man denken: das wars. Kommt man noch näher, erkennt man, daß die Wand eine hohe berebte Steillage, bestehend aus Querterassen. Rechts ist ein Steinbruch. Maschinen und Staub. Er frisst die Terrassen! Wir müssen sofort hin und alle Maschinen im Steinbruch in die Luft sprengen. Ka-BOOM!

Gelegentlich schafft es ein Weingut einen Geist der Zeit zu verkörpern. Meistens sind es neue Betriebe, die bemüht die besten verfügbaren Konzepte alle gleichzeitig einsetzen. Bei weingut roterfaden könnte das der Fall sein, ist es aber nicht. Denn sie haben das Killerkonzept aller Zeiten: Gelassenheit. Ja, sicher, man könnte alle best practices der Welt einsetzen. Aber man kann nicht diktieren, wie es im Weinberg abläuft. Was man machen kann, ist Gärtner zu sein. Ständig im Weinberg sein, sehen wie es läuft. Helfen wo mann kann, räumen und mähen und schneiden. Ohne Gift. Mit Humor. Es ist schön im Weingarten. Bei manchen Parzellen ist es sehr gepflegt. Der Steinbruch scheint die Winzer doch lieb zu haben. Und die Winzer den Steinbruch auch. Und bei weingut roterfaden (ohne grossbuchstaben, ist das der Schlüssel?) ist es wirklich schön. Beim Biowinzer ist alles herrlich sauber durcheinander. Steil wie aus dem Flieger fallen. Wild ist keine Übertreibung. Da wächst Alles. Da lebt Alles. Tausende Eidechsen, Mäuse, Bienen, Raubvögel, lässige Caterpillar.


Der Plan? Ernten was mann kann, Trauben am Liebsten, und daraus was Leckeres entstehen lassen. Biodynamie in der Praxis, aber nirgendwo ein Schild. Alles Bio, aber warum ein Wort darüber sagen? Natürlich ist man bio. Wer würde heute einen Weinbetrieb starten der nicht bio ist?

Je nachdem, wie die Ernte aus dem Weingarten geholt wird, entsteht der Wein. Wir haben zwei Korbpressen gesehen, die eine klein, die andere winzig. Stand der Technik 1810, aber neu. Der Rotwein dieses Jahr hat 10% Alkohol. Leicht, trinkbar und subtil betörend. Der Riesling gibt ein Wölkchen Opium von sich und klingt sich aus mit hallendem Beifall, Bravo, Bravissimo, Bravo. Wir stellen fest, dass wir keine Fragen gestellt haben, keine Notizen über Rebsorten, Ertrag, Fasslagerung oder Extrakt gemacht wurden. Darf man hier ein bißchen sitzen und darüber nachsinnen? Ja. Man darf.